Die Kaufkraft des Geldes nimmt ab, die Kosten für den täglichen Bedarf steigen und das Ersparte verliert an Wert – die Auswirkungen der Inflation spüren viele unmittelbar. Dieses Wissenpaket bietet einen umfassenden Überblick über dieses zentrale Wirtschaftsphänomen, beleuchtet seine Facetten von der Definition über die Messung bis hin zu den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen. Es werden die Ursachen der Preissteigerungen erläutert und die Rolle der Zentralbanken bei der Steuerung des Preisniveaus betrachtet. Abschließend werden praktische Tipps und Strategien vorgestellt, um die Auswirkungen der Inflation abzufedern und das eigene Vermögen zu schützen.
Inflation beschreibt einen anhaltenden Anstieg des allgemeinen Preisniveaus, der zu einer Geldentwertung führt und die Kaufkraft verringert. Dieser Prozess betrifft sowohl Verbraucher als auch Unternehmen und steht im Fokus der Geldpolitik der Zentralbank.
Die Inflationsrate, ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Stabilität, wird anhand verschiedener Methoden berechnet:
Verbraucherpreisindex (VPI): Das Statistische Bundesamt ermittelt monatlich die Preisänderung eines sogenannten Warenkorbs. Dieser Korb enthält über 700 Güter und Dienstleistungen, die für private Haushalte relevant sind. Die Gewichtung der einzelnen Kategorien im Warenkorb, wie Mieten, Energie und Nahrungsmittel, spiegelt deren Anteil an den gesamten Konsumausgaben wider.
Harmonisierter Verbraucherpreisindex (HVPI): Als Ergänzung zum VPI ermöglicht der HVPI, der von Eurostat erstellt wird, den Vergleich der Inflationsraten innerhalb der Europäischen Union. Die jährliche Inflationsrate vergleicht dabei die Preise mit denen des Vorjahresmonats.
Für August 2025 lag die Inflationsrate in Deutschland nach VPI bei 2,2 Prozent und nach HVPI bei 2,1 Prozent.
Die Preisentwicklung kann unterschiedlich ausfallen:
Inflation: Eine anhaltende Preissteigerung ist das charakteristische Merkmal der Inflation.
Deflation: Bei der Deflation sinkt das allgemeine Preisniveau, was zu einer Zurückhaltung beim Konsum führen kann.
Hyperinflation: Diese Form der Inflation ist durch einen extrem raschen Preisanstieg gekennzeichnet, der oft monatlich über 50 Prozent liegt, wie seinerzeit in Deutschland im Jahr 1923.
Die Ursachen für ein Ansteigen des allgemeinen Preisniveaus sind vielfältig und komplex, oft wirken sogar mehrere Faktoren zusammen.
Wenn die Nachfrage nach Gütern in der Marktwirtschaft schneller wächst als das Güterangebot, führt dies zu einem Anstieg des allgemeinen Preisniveaus. Faktoren wie starkes Wirtschaftswachstum, eine expansive Geldpolitik der Zentralbank oder staatliche Konjunkturprogramme können die Güternachfrage ankurbeln.
Hier treiben steigende Kosten für Rohstoffe, Energie oder Löhne die Preise nach oben. Unternehmen geben diese höheren Kosten an die Verbraucher weiter, was sich in höheren Verbraucherpreisen niederschlägt. Die Entwicklung der Energie- und Nahrungsmittelpreise in den Jahren 2021 bis 2024 verdeutlicht dies.
Diese Art der Inflation tritt auf, wenn die von den Notenbanken in Umlauf gebrachte Geldmenge stärker wächst als die Produktion von Gütern. Das überschüssige Geld führt dann zu einer erhöhten Nachfrage, die wiederum Preissteigerungen zur Folge hat. Die deutsche Inflationsphase nach dem Ersten Weltkrieg ist ein bekanntes, historisches Beispiel für eine Geldmengeninflation.
Eine Schwächung des Euro-Wechselkurses oder steigende Weltmarktpreise, beispielsweise für Öl, können zu höheren Importpreisen führen. Diese Preissteigerungen werden von den Unternehmen an die Endverbraucher weitergegeben. Besonders Länder, die stark von Energieimporten abhängig sind, spüren diese Effekte deutlich.
Verkäuferinflation: Unternehmen mit einer starken Marktposition können gezielt höhere Preise durchsetzen und so die Preisentwicklung beeinflussen.
Multifaktorielle Ansätze: Oftmals sind es nicht einzelne Ursachen, sondern ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren wie Angebotsschocks, eine hohe Güternachfrage und eine expansive Geldpolitik, die zu einer erhöhten Inflation führen.
Die Inflationsentwicklung zeigt sich im historischen Vergleich und in aktuellen Zahlen.
Historische Beispiele: Prägnante Beispiele sind die Hyperinflation in Deutschland im Jahr 1923 und die hohen Inflationsraten in den 1970er Jahren.
Aktuell (2023–2025): Die jährliche Inflationsrate liegt national bei etwa 2,2 Prozent, mit ähnlichen Werten in Europa. Treiber dieser Preissteigerung sind neben Energie- und Nahrungsmittelpreisen auch die Mietpreise.
Tools zur Inflationsbeobachtung:
Das Statistische Bundesamt veröffentlicht jeden Monat aktuelle Inflationszahlen.
Eurostat bietet den Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) für den europäischen Vergleich.
Der IBISWorld Inflation Tracker liefert weitere Daten zur Preisentwicklung.
Ein anhaltendes Ansteigen des allgemeinen Preisniveaus wirkt sich auf verschiedene Aspekte der Wirtschaft aus.
Kaufkraftverlust: Steigende Preise bedeuten, dass private Haushalte für die gleichen Produkte mehr Geld ausgeben müssen. Sofern der Zins unterhalb der Teuerungsrate liegt, verlieren Sparguthaben real an Wert, was die Geldentwertung spürbar macht.
Investitionen: Unternehmen passen sich an, indem sie bevorzugt in Sachwerte investieren und versuchen, Preissteigerungen an die Verbraucher weiterzugeben. Für Verbraucher werden Immobilien und andere Sachwerte zu begehrten Anlageformen.
Finanzmärkte: An den Finanzmärkten zeigen sich folgende Reaktionen:
Aktien: Unternehmen mit starker Preissetzungsmacht profitieren oftmals.
Anleihen: Bei anhaltend hoher Inflation sinkt die Werthaltigkeit der Anleihen.
Währungen: Eine hohe Inflation kann zu Währungsabwertungen führen.
Zinspolitik: Zentralbanken reagieren auf Inflation, insbesondere die EZB, mit Leitzinserhöhungen, um Preisniveaustabilität zu sichern. Dies beeinflusst wiederum Kreditkonditionen und damit auch die Preise von Immobilien.
Inflation kann zu spürbaren gesellschaftlichen Veränderungen führen, insbesondere im Hinblick auf Umverteilung und soziale Spannungen.
Umverteilung: Haushalte mit geringem Einkommen sind überproportional betroffen, da sie einen größeren Anteil ihres Einkommens für Güter des täglichen Bedarfs aufwenden müssen. Steigende Preise für Grundnahrungsmittel, Energie und Mieten belasten diese Haushalte stärker.
Soziale Spannungen: Die unterschiedliche Betroffenheit von Rentnern, Arbeitnehmern, Familien und Vermögenden kann zu einer wachsenden Ungleichheit führen. Hohe Inflation kann die politische Stabilität beeinträchtigen.
Zentralbanken spielen eine entscheidende Rolle bei der Steuerung der Inflation.
Mandat der EZB: Das vorrangige Ziel der EZB ist die Sicherung der Preisniveaustabilität im Euro-Raum, mit einem Zielwert von zwei Prozent jährlicher Inflationsrate auf mittlere Sicht.
Instrumente zur Inflationsbekämpfung: Zur Steuerung der Geldpolitik setzt die EZB verschiedene Instrumente ein, darunter die Anpassung der Leitzinsen, Anleihekäufe, Liquiditätssteuerung und gezielte Kredit- und Anleiheprogramme.
Herausforderungen: Globale Angebotsschocks und importierte Preissteigerungen erschweren die Steuerung der Inflation, da die Zentralbank hierauf nur begrenzt Einfluss nehmen kann. Die Wirkung von Zinsanpassungen zeigt sich zudem oft zeitverzögert.
Die geldpolitische Transmission funktioniert über verschiedene Kanäle. Zentrale Instrumente sind Leitzinserhöhungen, die die Kreditvergabe verteuern und die Geldmenge drosseln, aber Angebotsschocks dämpfen sie nur ineffizient. Eine aktuelle Analyse aus dem Wirtschaftsdienst 2024 bestätigt dies.
Um die Auswirkungen der Inflation abzufedern, stehen verschiedene Strategien und Maßnahmen zur Verfügung.
In Zeiten steigender Preise gewinnen bestimmte Anlageformen an Bedeutung:
Sachwerte: Immobilien, Aktien-ETFs und Rohstoffe, wie Gold oder Industriemetalle, können als Sachwerte einen guten Schutz vor Geldentwertung bieten.
Inflationsgeschützte Anleihen: Bestimmte Anleihen, wie beispielsweise TIPS (Treasury Inflation-Protected Securities) in den USA, sind speziell dazu konzipiert, den Anleger vor Inflation zu schützen.
Langfristige Diversifikation: Eine breite Streuung der Anlagen über verschiedene Kategorien wie Aktien, REITs (Real Estate Investment Trusts) und Rohstoffe hilft dabei, das Portfolio widerstandsfähiger zu machen.
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Auch im privaten Bereich können Maßnahmen ergriffen werden, um die Auswirkungen der Preissteigerungen zu minimieren:
Regelmäßige Überprüfung und gegebenenfalls Anpassung des Sparplans, besonders im Hinblick auf niedrige Zinssätze.
Umschichtung von Vermögenswerten in Anlageformen, die als inflationsresistenter gelten.
Minimierung von zinsloser Liquidität durch eine Kombination aus Tages- und Festgeldern, um zumindest einen Teil des Zinsverlustes auszugleichen.
Im Alltag können ebenfalls Anpassungen vorgenommen werden:
Das Führen eines Haushaltsbuchs hilft, den Überblick über Einnahmen und Ausgaben zu behalten und das Konsumverhalten zu analysieren.
Kosteneinsparungen durch Preisvergleiche und regelmäßigen Wechsel von Energie-, Mobilfunk- und Versicherungsanbietern.
Gezieltes Einkaufen von günstigeren Alternativen im Supermarkt und das Achten auf Aktionen.
Sorgfältige Erfassung der Kosten und Einnahmen, zum Beispiel mithilfe eines Haushaltsbuchs oder einer App.
Regelmäßige Überprüfung der Spar- und Anlageprodukte auf den aktuellen Realzins.
Schrittweise Erhöhung des Anteils an Sachwerten im Portfolio, zum Beispiel durch Investitionen in ETFs, Immobilien oder Gold.
Regelmäßiges Update des Portfolios und gegebenenfalls eine Umschichtung der Anlagen.
Trotz der ständigen Präsenz des Themas gibt es einige Missverständnisse über Inflation.
Inflation ist nicht gleich Preissteigerung: Treten Preise einmalig auf einem höheren Niveau ein und bleiben dort stabil, ist die Inflationsrate im Folgejahr null Prozent. Es muss sich um ein anhaltendes Ansteigen des Preisniveaus handeln.
Gefühlte vs. offizielle Inflation: Im Alltag werden häufig gekaufte Waren, deren Preise steigen, stärker wahrgenommen als seltenere Preissteigerungen, beispielsweise bei Strom oder Mieten. Die gefühlte“ Teuerungsrate ist oft höher als der tatsächliche Verbraucherpreisindex gegenüber dem Vorjahr ausweist. Studien weisen darauf hin, dass die wahrgenommene Inflation in Deutschland regelmäßig überschätzt wird.
Rolle von EZB und Staat: Die Zentralbank steuert die Geldpolitik und beeinflusst somit das allgemeine Preisniveau. Staatliche Maßnahmen wie einzelne Preisstopps oder Subventionen wirken oft nur kurzfristig.
Inflation bleibt Thema: Nach einer Entspannung gegenüber 2022 und 2023 erwarten Experten für 2025 eine Inflationsrate von etwa 2,1 bis 2,2 Prozent in Deutschland. Prognosen der EZB und des Statistischen Bundesamtes bestätigen ein Bild stabiler, aber nicht sinkender Preise.
Handlungsaufruf: Um das eigene Vermögen langfristig zu schützen, empfiehlt sich Diversifikation, die Nutzung von Sachwerten, eine regelmäßige Portfolioüberprüfung und eine aktive Informationsbeschaffung über die Verbraucherpreisentwicklung.
Empfohlene Ressourcen:
Das Statistische Bundesamt bietet aktuelle Informationen zur Inflation.
Eurostat veröffentlicht den HVPI für europäische Daten.
Die Verbraucherzentrale bietet Beratung und Informationen zur Geldanlage.
Der IBISWorld Inflation Tracker liefert detaillierte Analysen.
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